Klingen mit dem Namen und Bildnis des Konigs Stephan Bathory E-mail
Saturday, 11 June 2011 19:41

KLINGEN MIT DEM NAMEN UND BILDNIS DES KÖNIGS STEPHAN BATHORY VON POLEN

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In allen größeren Waffensammlungen Polens und in vielen Museen im Auslande findet man Säbel und Schwerter, deren Klingen mit dem Brustbilde des Königs Stephan Bathory versehen sind. Man kann diese Klingen in zwei verschiedene Gruppen teilen: die erste, welche die Inschrift Stephanus Rex Poloniae trägt, und die zweite, wo außer dem Vornamen auch der Familienname Bathory (in sehr verschiedener Schreibweise) geprägt ist. In anbetracht der allgemein geltenden Gewohnheit, regierende Fürsten nur mit Vornamen zu bezeichnen, müssen wir annehmen, daß nur die erste Gruppe aus der Regierungszeit des Königs (1576-1586) stammt.

Die meisten vorhandenen Klingen mit dem Vornamen des Königs tragen folgende Inschrift: „Stepha nus D. G. Rex Pol. D. Prus" (Stephanus Dei Gratia Rex Poloniae Dux Prussiae). Wir haben sechs Klingen in verschiedenen In- und Auslandssammlungen gefunden, die alle dieselbe Inschrift mit denselben Abkürzungen und sehr ähnlichen Verzierungen tragen, und zwar: zwei Klingen im Warschauer Heeres­museum, eine in der Sammlung der Grafen Krasinski in Warschau, eine im Berliner Zeughaus (Inv.- Nr. P. C. 14167), eine in der Livrustkammaren in Stockholm (Inv.-Nr. 1850) und eine im Handel in Warschau. Alle diese Klingen sind mit Trophäen-Ornamentation verziert und tragen außer der erwähnten Aufschrift noch das Wort „Frangia" (in verschiedener Schreib­weise), und in einem Falle dazu noch das Wort „Genoa".

Es ist interessant zu beobachten, daß alle sechs Klingen - abgesehen von der Gleichheit der Inschrift und Ornamentation - völlig voneinander abweichen. Einige sind italienischer Herkunft, die anderen wiederum deuten auf deutsche Arbeit. Es ist bemerkenswert, daß die Inschrift auf allen diesen Klingen von den verschiedenen Titeln des Königs nur den des Königs von Polen und des Herzogs von Preußen tragen, und daß der Titel des Großfürsten von Li­tauen, der in den meisten Akten an zweiter Stelle steht, ausgelassen ist. Eine Analogie dieser Inschrift finden wir auf den Münzen, die in Danzig zur Zeit des Königs Stephan geprägt wurden. Einige die­ser Münzen weisen sogar dieselben Abkürzungen auf. Da dies der einzige Fall ist, wo wir die Titulierung des Königs in dieser Form finden, so ist zu vermuten, daß diese Klingen - unabhängig von ihrer verschiedenen Herstellungsart - in Danzig verziert und bezeichnet worden sind.

Es wird überliefert, der König Stephan habe als eine spezielle Gunst Waffen mit seinem Brustbilde verschenkt. Diesem Umstande verdanken wir es, daß verhältnismäßig so viele Klingen mit seinem Namen vorhanden sind. Auf dieselbe Tradition dürfte auch die Verfertigung von Klingen dieser XVII. Jahr­hundert zurückzuführen sein, welche kurz nach dem Tode des Königs einsetzt. Alle wollten vom König Stephan geschenkte Waffen besitzen und damit prahlen; außerdem war die Volkstümlichkeit des Königs, der eine ganz außergewöhnliche Persönlichkeit gewesen ist, sehr groß und reichte bis in den Anfang des XVIII. Jahrhunderts hinein. Als Ausdruck dieser Pietät für den großen König haben die Ritter sein Bildnis und seinen Namen in die Klingen ätzen lassen. Diese nach dem Tode des Königs entstandenen Klingen tragen meistens auch seinen Familiennamen und gehören zu der obenerwähnten zweiten Gruppe. Sie gehören vorzugsweise dem XVII. Jahrhundert an, und zwar vorwiegend seiner ersten Hälfte. Es ist charakteristisch, daß Klingen dieser Gruppe fast immer irgend ein Datum tragen; wir kennen solche Klingen, die das richtige Datum ihrer Entstehung aufweisen. Die meisten indes sind mit einem falschen Datum bezeichnet, das merkwürdigerweise in die Zeit der Regierung des Königs Stephan nicht paßt; besonders häufig findet man das Jahr 1526 eingeschlagen. Dieses Datum kommt beiläufig auch auf Klingen vor, die mit dem Bildnis und Namen des Königs Siegmund III., des Nachfolgers des Königs Batlhory, geschmückt sind. Es ist offenbar auf die geringen histo­rischen Kenntnisse der Klingenschmiede zurück­ zuführen.

Die Bathory-Klingen der zweiten Gruppe begegnen in Waffensammlungen besonders häufig; sie wurden auch vielfach in Polen verfertigt: ein italienischer Klingenschmied, Joannes Hieronimus Caccia, der zu­erst in Krakau und alsdann in Kielce im XVII. Jahr­hundert arbeitete, steht als Erzeuger der späteren Ba­thory-Klingen an der Spitze.

Es wäre noch zu erwähnen, daß auf den Klingen der ersten Gruppe, also denen, die in das Zeitalter des Königs Stephan fallen, das Bildnis und die Verzierungen meistens geätzt oder graviert sind: dagegen sind die Aufschriften und das Bild auf den späteren Klingen fast immer mit Gold tauschiert.

In vielen älteren Beschreibungen und Katalogen sind Waffen, die den Namen des Königs Stephan Bathory tragen, fälschlich als sein Eigentum bezeichnet. Der einzige Säbel, von dem man mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit behaupten kann, daß er dem König Stephan gehört hat, trägt überhaupt keine Aufschrift. Es ist auch kaum denkbar, daß ein König auf Waffen, die er zu seinem eigenen Gebrauch besitzt, sein Bild und seinen Namen - geschweige seinen Familiennamen - gravieren läßt. Denn in gleicher Weise sind Klingen mit Bildern, Namen und Monogrammen anderer Könige als eine Form von Verehrung des betreffenden Monarchen versehen, eine Sitte, die in Polen bis zum Ende des XVIII. Jahrhunderts beibehalten wurde. Es ist ausdrücklich zu betonen, daß die Namen und Bilder der Könige oftmals ganz irrtümlich als ein Beweis des Eigentums und ipso facto als eine Bestimmung des Zeitalters der Waffen galten und manch einen Sammler auf Irrwege führten.

 

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